Solar Decathlon Madrid 2010
Im Sommer 2010 fand in Madrid der Solar Decathlon, die inoffizielle Weltmeisterschaft des energieeffizienten Bauens, statt. Zwanzig Hochschulteams aus aller Welt kämpfen darum, mit ihrem Entwurf das Gebäude zu errichten, das sich am besten selbst versorgen kann.
Der Begriff "Passiv-Haus" hat hier schon längst ausgedient. Bei dem Wettbewerb gehen ausschließlich Häuser ins Rennen, die selbst kleine Kraftwerke sind. Sie produzieren soviel Energie, dass sie den Überschuss wieder in das Stromnetz einspeisen können - Plusenergiehäuser. Diese Revolution im Kleinen ist überfällig. Denn in Europa verbrauchen Gebäude vierzig Prozent der gesamten Energiemenge. In Madrid sind auch deutsche Teams vertreten. Einer der Favoriten: Die Hochschule Rosenheim.
Das Rosenheimer Team hat vor allem mit der Wärme zu kämpfen. Verschiedene neuentwickelte Kühlsysteme dienen der Klimatisierung. Damit die Wärme draußen bleibt, ist das Haus komplett versiegelt. Die Frischluftzufuhr von draußen wird ferngesteuert.Klimatisierung der Wohnräume
Johannes Donaubauer, FH Rosenheim: "Diese luftdichte Bauweise dient allein dem Energiesparen, ist durchaus sinnhaft. Es ist ein Lüftungssystem, das die Wärme rückgewinnt, d.h. die Raumluft wird mit der Außenluft außen vorbei geführt und dadurch wird die Wärme übergeben. Und dadurch können wir Energieverluste minimieren. Im Moment schaffen wir es, das Haus innerhalb von einer Stunde um acht Grad Celsius zu kühlen."
Die Rosenheimer setzen dabei auf "Phase Change Materials", PCM. Ein in Platten gepresster Stoff, der Wärme aufnehmen und speichern kann. Diese Technologie ist nicht neu. Aber die Rosenheimer haben sie neu eingesetzt: Noch nie wurden die Platten als ganzer Kühlkanal in Reihe verbaut. Im Keller des Hauses wird die Raumluft durch diesen PCM-Kanal geleitet. Das Material nimmt die Wärme auf und speichert sie. Dieser Effekt kühlt die Luft deutlich ab. Sie kann jetzt zur Klimatisierung der Wohnräume genutzt werden.
Die Häuser sollen vor allem Energie produzieren und bauen dabei häufig auf Solar erzeugten Strom. Besser noch: Solarzellen, die nicht nur auf dem Dach untergebracht sind, sondern solche, die komplett in die Fassade integriert werden. Bislang galt dies als wenig effizient.
Willy Ernst, Jury-Mitglied Solar Decathlon: "Wenn diese Fassadenmodule Funktionen der Fassade übernehmen, also Wetterschutz, also wirklich die Außenhaut eines Gebäudes darstellen, dann rechnen sie sich anders, und dann sind sie auch anders zu betrachten, als nur als Stromerzeuger. Als Stromerzeuger können sie interessant sein, wenn auch naturgemäß dreißig Prozent weniger Strahlung auf eine senkrechte Fläche trifft, aber da gibt es die Dünnschichttechnologien, die beispielsweise an solcher Stelle durchaus interessante Ergebnisse noch produzieren können."
Ein bewegliches Verschattungssystem
Beim "Solar Decathlon" in Madrid brennt die Sonne jeden Tag auf das Rosenheimer Haus. Als Schutz gibt es eine bewegliche Lamellenfassade, die sich hochfahren und absenken lässt. Das Beschattungssytem ist weit mehr als ein einfacher Rolladen. Mathias Wambsganß, Lichttechniker, FH Rosenheim: "Wir brauchen für Madrid, das muss man einfach leidenschaftslos sehen, bei 40 Grad Außentemperatur und ordentlichen Solarstrahlungsgewinnen dürfen wir nicht mit soviel Glasanteilen arbeiten, ohne einen adäquaten Sonnenschutz zu haben. Und da ist die Fassade die richtige Reaktion und sie erlaubt uns eben durch dieses von unten nach oben fahren, dass wir ganz individuell die Menge an Tageslicht, die wir über diesen Oberlichtstreifen, den wir einstellen, den der Nutzer einstellt, dass wir damit ganz gezielt die Lichtmenge variieren und modellieren können."
Gestalterische Reize durch LED´s
Das Gebäude muss auch nachts beleuchtet werden. Um im Wettbewerb zu bestehen und möglichst wenig Strom zu verbrauchen, setzt das Rosenheimer Team auf Licht aus Leuchtdioden. Architekten und Lichttechniker wie Mathias Wambsganß haben viel Hoffnung auf die die LEDs gesetzt. Wer Energie sparen will, braucht auf gestalterische Reize nicht zu verzichten.
Die Prototypen der Häuser von morgen wollen effizient und visuell ansprechend sein. Und Deutschland ist beim Bauen der Zukunft ganz vorne mit dabei. Das Rosenheimer Haus belegte bei dem Wettbewerb ganz knapp hinter einem Haus aus den USA Platz zwei. Energieeffizienz made in Germany.
Quelle: 3Sat, Beitrag ansehen
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