Leipziger Architekturbüro gewinnt Wettbewerb zum Neubau der katholischen Kirche

Die neue katholische Kirche St. Trinitatis wird nach einem Entwurf der Leipziger Architekten Ansgar und Benedikt Schulz gebaut. Von Sonntag an ist das Siegermodell in einer Ausstellung der Propsteigemeinde zu sehen.
„Der Entwurf signalisiert Offenheit, gleichzeitig ist die Kirche aber auch ein Ort der Stille“, erklärte der Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt. Trotz eines 50 Meter hohen Kirchturms und geschätzten Baukosten von 15 Millionen Euro sei die neue Kirche „kein Protz“.
Das Leipziger Architektenduo gewann den internationalen Wettbewerb zum Neubau der Propsteikirche. Die 15 Mitglieder des Preisgerichtes, das in dieser Woche tagte, entschieden sich mit einer deutlichen Mehrheit für den Entwurf. Schulz & Schulz sind in Leipzig keine Unbekannten. Aus ihrem Büro stammt neben weiteren Bauten etwa das Wolkenlabor des Instituts für Troposphärenforschung. In diesem Jahr erhielten sie den Architekturpreis der Pleißestadt.
Baulich bilden der Kirchturm und die Kirche selbst die zwei Schwerpunkte auf dem Gelände neben dem Martin-Luther-Ring, erklärte Benedikt Schulz. Dazwischen entstehen das Gemeindezentrum, Büros und der Pfarrhof. Die Freifläche des Pfarrhofes kann außerdem als Fußweg zwischen Ring und Nonnenmühlgasse genutzt werden.
„Wir haben den Bau aus der Umgebung heraus entwickelt. Es war uns wichtig, dass er sich einfügt, dass er wie selbstverständlich dasteht“, sagte Schulz.
Deshalb wird die Fassade auch mit Rochlitzer Porphyr verkleidet. Der Stein ist in Leipzig häufiger zu sehen, unter anderem am Erdgeschoss des Alten Rathauses. Ein Blickfang im Innenraum der Kirche, die 600 Besuchern Platz bieten soll, ist ein Lichteinlass oberhalb der Altarrückwand.
Der Propst der Gemeinde, Lothar Vierhock, sagte: „Ich bin mir sicher, dass die Gemeinde mit dem Entwurf mehr als glücklich ist, weil sich darin ihre Überlegungen wiederfinden.“ Er glaube, dass die Kirche „eine Oase inmitten der Stadt“ werden kann.
Bei der Ausschreibung des Wettbewerbs wurde besonders auf Nachhaltigkeit und Ökologie gesetzt. Bischof Reinelt erklärte, dass auf das Dach der Kirche Solaranlagen gebaut werden sollen. Außerdem werde besonders auf die Isolierung geachtet. Dass sich ein Leipziger Büro durchgesetzt habe, sei ein „glücklicher Zufall“ gewesen. Denn die Jury beurteilte die eingereichten Entwürfe, ohne zu wissen, von welchem Büro die Vorschläge stammten.

Wie die Kirche in allen Einzelheiten dann aussehen wird, ist aber noch offen. Reinelt sagte: „Ich werde mit den Architekten noch ein wenig ringen.“ So störten ihn die Emporen im Kirchenraum, die der Gewinnerentwurf vorsieht. „Denn Kirchen sollen ja kein Zuschauerraum sein“, so der Bischof.
Insgesamt waren acht von 50 Architektur-Vorschlägen in die finale Auswahlrunde gekommen. Den zweiten Platz erhielt das Büro Allmann Sattler Wappner aus München. Dritter wurden Meck Architekten, ebenfalls aus München.
Der größte Kirchenneubau in Ostdeutschland nach der Wende wird auf einem dreieckigen Grundstück gegenüber dem Neuen Rathaus entstehen.
Im Herbst 2010 - im Jahr des 300-jährigen Bestehens der Gemeinde – soll der erste Spatenstich erfolgen. Zwei bis drei Jahre Bauzeit haben die Planer kalkuliert. Die Gemeinde St. Trinitatis gehört zu den wenigen katholischen Gemeinden, die noch wachsen. Im Moment hat sie rund 4000 Mitglieder. Insgesamt leben in Leipzig knapp 21 000 Katholiken.
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Bei einer bundesweiten Kollekte aller katholischen Gemeinden waren gut zwei Millionen Euro für das Leipziger Vorhaben zusammengekommen. Dazu sind bis jetzt 700 000 Euro Spenden von 3500 Einzelpersonen eingegangen.
Der Neubau war notwendig geworden, weil die derzeitige, aus dem Jahr 1980 stammende Propsteikirche in der Emil-Fuchs-Straße schwere Baumängel aufweist. Ursache dafür sind unter anderem Setzungen unter dem Grundstück. Das Bauwerk wurde als nicht mehr sanierungsfähig eingestuft.
Die Propsteigemeinde besteht seit 1710. Die erste Trinitatiskirche wurde 1943 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und später abgerissen.
Die Ausstellung mit den acht Entwürfen ist vom 13. Dezember bis 3. Januar im Gemeindezentrum, Emil-Fuchs-Straße 5-7, zu sehen.
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